"VV 70 unterliegt im Kampf der Generationen"
Ihr erstes Heimspiel im Jahr 2012 hatten sich die Mädels vom VV 70 Meiningen anders vorgestellt. Obwohl dem zahlreichen Publikum am Samstag in der Multihalle wieder ein packender Krimi geboten wurde, so blieb ihnen am Ende ein Happyend verwehrt. Die Werrastädterinnen verloren nach zwei Stunden Spielzeit ihr Heimspiel gegen den Dresdner SSV denkbar knapp mit 2:3.
Nach den ersten drei Minuten im ersten Satz lagen die Hausherrinnen bereits mit 3:6 zurück. Über die Stationen 10:10, 15:12 und 23:15 konnten sie diesen ersten Durchgang jedoch noch relativ locker mit 25:16 gewinnen. Möglich wurde dies durch viel Druck im Aufschlag und einer bis dato noch unbefangenen Spielweise. Im zweiten Satz aber rannten die Damen um Kapitänin Ender von Anfang an einem Rückstand hinterher. Nachlassender Druck im Angriff und Aufschlag sowie immer wieder unerklärliche Leistungseinbrüche zwischen sehenswerten Ballwechseln verhinderten den Ausgleich nach Punkten und Dresden holte mit dem 25:22 auf ein 1:1 nach Sätzen auf. Bereits in dieser Phase des Matches war für alle zu erkennen, dass es an diesem Tag in Meiningen zu einer Entscheidung zwischen zwei Generationen kommen würde. Die Gäste aus der Elbmetropole reisten mit 10 jungen Damen an. Diese (Durchschnittsalter 22 Jahre) zeigten von Beginn an, dass sie an diesem Tag keinen „Respekt“ vor den Volleyballerinnnen aus der Theaterstadt haben würden. Egal wie die Bälle bei den Dresdnerinnen zugespielt wurden, sie „trommelten“ völlig schmerz- und gedankenfrei auf sie ein. Dieses Risiko wurde oftmals mit viel Glück (Netzkantenroller oder Blockberührungen) belohnt.
Diesem jungen und druckvollem Spielt stand an diesem Tag eine Meininger Mannschaft gegenüber, die wohl ihre Schlagstärke und Courage in der Umkleidekabine vergessen hatte. Hinzu kam noch, dass das Trainertrio bei diesem Heimspiel gerade mal sechs Stammspielerinnen zur Verfügung hatten. Damit überhaupt eine Wechselspielerin auf der Bank Platz nehmen konnte, kam die junge Nachwuchsspielerin Tina Nagel völlig unerwartet zu ihrem ersten Regionalliga Einsatz. Vor diesem Hintergrund lag Dresden im dritten Satz nicht unverdient für alle Zuschauer aber völlig schockierend mit 12:2 in Front. Normaler Weise bedeutet im Volleyball ein Zehnpunktevorsprung den klaren Sieg. Plötzlich läutete aber Meiningen wieder einmal die „Krimiglocke“ und setzte zur Aufholjagd an. Über die „Stationen“ 5:15, 11:16, 18:21 kamen sie kurz vor Schluss des Satzes noch auf ein 21:22 heran. Mit dieser Aufholjagd begeisterten sie wie gewohnt ihre mitfiebernden und anspornenden Fans. Am Ende brachten sie sich mit zwei unnötigen Fehlern selbst von der Siegerstraße und verloren diesen dritten Durchgang nach tollem Kampf doch noch mit 23:25. Nun hätte bereits im vierten Satz der Gast alles klar machen können. Allen voran machte ihre Nummer Eins, Yana Kuchay, den Meiningern mit ihren wuchtigen und platzierten Angriffen das Leben schwer. Und dies gelang der jungen Dame aus Dresden, obwohl sie die kleinste Dresdner Akteurin (1,74 m) an diesem Tag auf dem Feld war.
Da den Teams die Wichtigkeit dieses Satzes bewusst war, gingen beide Kontrahenten dementsprechend aktiv zu Werke. Eine logische Folge war ein stetiger Wechsel in der „Führungstätigkeit“. Erst am Ende des Satzes neigte sich die „Waage des Sieges“ in Richtung VV 70. Nachdem die Meininger einen Matchball (23:24) abwehren konnten, erzwangen sie anschließend mit dem 26:24 den stets gefürchteten Tie-Break. Dieser sollte nun alle Anwesenden an den Rand einer Herzattacke führen. Die Theaterstädterinnen hörten wohl den Anpfiff nicht und lagen nach nur wenigen Minuten mit 1:8 hinten. Nach dem fälligen Seitenwechsel nach acht gespielten Punkten war erneut völlig überraschend für alle die „Krimiglocke“ in der Meininger Multihalle zu hören. Wieder bäumte sich der VV 70 auf und verkürzte Punkt um Punkt. Über ein 6:11 und 9:12 kamen die Mädels um Anja Ender zu einem 11:13. In dieser entscheidenden Phase „versemmelten“ die Damen aus Meiningen zwei Aufgaben und verschenkten somit den vielleicht noch möglichen Sieg kampflos und unnötig. Zwar hatten die Damen von der Werra ihrem treuen Publikum wieder eine spannende Show geboten, aber leider gingen die Punkte diesmal nach Dresden.
Wenn Meiningen bei diesem Heimspiel mehrere Wechselmöglichkeiten gehabt hätte und alle Akteurinnen ihr Leistungsniveau hätten abrufen können, wäre wohl die „Siegesschale“ im Kampf der Generationen nach Meiningen gegangen. Trotz dieser Niederlage hat Meiningen seinen dritten Platz in der Tabelle nicht verloren. Aber bereits am Sonntag, den 22.01.2012, steht gegen den Gastgeber vom SSV Fortschritt Lichtenstein ein Pflichtsieg an, will man diesen Platz an der Sonne nicht verlieren.
VV 70: Ender, Wagner, Schmidt, Klessen, Erdmann, Holland-Moritz, Nagel
Foto und Text Stefan Müller






